Wilhelm Hauff: "Der junge Engländer"

digitalizacja/rekompilacja: Marcin Perliński

Grünwiesel ist ein Städtchen in Süddeutschland. Es ist ein Städtchen wie viele andere. In der Mitte befindet sich ein Marktplatz mit einem Brunnen. Am Marktplatz stehen ein kleines, altes Rathaus, die Häuser einiger Kaufleute und der wichtigsten Bürger. In ein paar engen Straßen wohnen die übrigen Menschen. Alle Einwohner kennen sich sehr gut. Jeder weiß, was der Nachbar macht, wie es ihm geht. Wenn zum Bürgermeister oder zum Arzt einmal ein Gast zum Mittagessen kommt, weiß es am nächsten Tag schon die ganze Stadt. Die Frauen besprechen dieses große Ereignis bei Kaffee und Kuchen. Man ist dann gewöhnlich der Meinung (1), dass der Bürgermeister in der Lotterie viel Geld gewonnen hat oder sich bestechen lässt (2). Der Arzt bekommt wahrscheinlich Geld vom Apotheker, damit er teure Rezepte schreibt.
Eines Tages kam ein fremder Mann in dieses Städtchen. Niemand wusste, woher er gekommen war, was er wollte, wovon er lebte. Nur der Bürgermeister hatte den Pass des Fremden gesehen. Der Pass hatte die nötigen Stempel und war in Ordnung. Trotzdem war der Fremde dem Bürgermeister etwas verdächtig.
 
1.man ist ... der Meinung -  jest się zdania, sądzi się
2.dass (er) ... sich bestechen lässt - że bierze łapówki
 
Da der Bürgermeister eine große Autorität genoss, war der Mann bald allen Stadtbewohnern eine verdächtige Person. Daran konnte auch seine Lebensweise nichts ändern.
Der fremde Mann mietete ein ganzes Haus, das bisher leer gestanden hatte. Er ließ einen ganzen Wagen mit Möbeln und Hausgerät bringen (2)  und lebte ganz allein. Er kochte sogar selbst. Nur ein alter Mann kam ab und zu (3) zu ihm und brachte ihm Brot, Fleisch und Gemüse. Er trat aber niemals ins Zimmer; deshalb konnte er den neugierigen Leuten nichts Neues sagen.
Der Fremde verursachte Unruhe im Städtchen. Er kam nachmittags nicht wie andere Männer auf die Kegelhahn (4), saß abends nicht im Wirtshaus, wo man bei Bier über Politik sprach. Vergeblich luden ihn der Bürgermeister und der Arzt zum Kaffee ein. Er hatte immer eine Entschuldigung. Einige Leute hielten ihn deshalb für verrückt (5), andere für einen Zauberer. Noch etwa zehn Jahre nach seiner Ankunft in diesem Städtchen wurde dieser Mann immer noch "der fremde Herr" genannt (6) .
Eines Tages kam eine Wandertruppe mit fremden Tieren in die Stadt. Da war ein Kamel, das sich verbeugen konnte, ein Bär, einige Hunde und Affen, die in menschlichen Kleidern sehr komisch aussahen und verschiedene Kunststücke zeigten.
 
1.da (er) eine große Autoritat genoss - ponieważ cieszył się dużym autorytetem
2.Er ließ einen ganzen Wagen .... bringen ... - Sprowadził pełen wóz...
3.ab und zu - czasami, od czasu do czasu
4.auf die Kegelbahn - do kręgielni
5.Einige Leute hielten ihn ... für verrückt. - Niektórzy uważali go za zwariowanego.
6.(er) wurde ... genannt - nazywano go ...
 
Auch einige Musikanten und Tänzer gehörten dazu. Solche Truppen zogen von Stadt zu Stadt und gaben auf dem Marktplatz Vorstellungen. Die Truppe aber, die jetzt nach Grünwiesel kam, besaß außerdem noch einen ungeheuren Orang-Utan, der fast so groß wie ein Mensch war. Er ging auf zwei Beinen und zeigte verschiedene Kunststücke.
Nach ein paar Tagen zog die Wandertruppe weiter. Das Kamel musste viele Körbe tragen, darin saßen die Hunde und Affen ganz bequem. Der große Affe aber musste hinter dem Kamel zu Fuß gehen. Bald nachdem sie die Stadt verlassen hatten (1), bestellte der fremde Herr beim Postmeister einen Postwagen mit zwei Pferden und verließ schnell die Stadt. Das ganze Städtchen ärgerte sich, dass niemand wusste, wohin er gefahren war.
Es war schon Nacht, als der fremde Herr im Wagen wieder das Stadttor erreichte (2). Im Wagen saß aber noch eine zweite Person. Sie hatte einen breiten Hut tief im Gesicht (3), so dass man sie nicht gut sehen konnte. Der Torschreiber bat den anderen Fremden um den Pass, dieser antwortete aber etwas in einer fremden Sprache.
 
1.nachdem sie die Stadt verlassen hatten -  gdy opuścili miasto
2.als ..... das Stadttor wieder erreichte - gdy znów zajechał przed bramę miejską
3.Sie hatte einen breiten Hut tief im Gesicht - miała szeroki kapelusz nasunięty na oczy.
 
"Es ist mein Neffe", sagte der fremde Herr freundlich zum Torschreiber und drückte ihm einige Silbermünzen in die Hand (1). "Es ist mein Neffe. Er versteht leider noch wenig Deutsch". "Wenn es Ihr Neffe ist", antwortete der Torschreiber, "so kann er ohne Pass in die Stadt fahren. Wird er bei Ihnen wohnen?" "Natürlich", sagte der Fremde, "er bleibt längere Zeit bei mir". Der Torschreiber hatte keine Fragen mehr (2), und der fremde Herr und sein Neffe fuhren ins Städtchen. Der Bürgermeister und die ganze Stadt waren übrigens nicht sehr zufrieden mit dem Torschreiber. Schade, dass er sich mit dem Neffen nicht länger unterhalten hatte. Die Leute wollten wissen, ob er vielleicht französisch oder italienisch gesprochen hatte. Der Torschreiber konnte sich nur erinnern, 